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„Low Speed“ statt Datenautobahn - Warum der Glasfaserausbau nur langsam voran geht

Die Wirtschaftsmacht Deutschland ist unter den Top 5, wenn es um weltweiten Export und das Bruttoinlandsprodukt geht. Ganz klar: Deutschland ist ein wichtiger Teil in der globalisierten Welt. Da wundert es doch, dass wir in Bezug auf den Glasfasernetzausbau, der unbestrittenen Zukunft des Internetanschlusses, nicht einmal unter den Top 30 weltweit zu finden sind.

„Low Speed“ statt Datenautobahn - Warum der Glasfaserausbau nur langsam voran geht

Denn: Nur 1,5 Prozent aller deutschen Breitbandanschlüsse gehören zum Glasfasernetz. Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland dabei gegenüber dem asiatischen Weltmeister Japan mit 72,6 Prozent sehr bescheiden ab. Auch auf europäischer Ebene liegen die nördlichen Länder Lettland, Schweden und Estland mit Werten bis zu 59,7 Prozent weit vor den Deutschen.

Die Glasfaser

Dabei führt in Zukunft kein Weg an diesem Anschluss vorbei. Durch Umstellung auf All-IP-Systeme und Themen wie „Internet of Things“ steigt unser verbrauchtes Datenvolumen stetig an. Immer mehr Daten müssen so schnell wie möglich übermittelt werden. Und dazu werden die altehrwürdigen Kupferleitungen zukünftig definitiv nicht mehr ausreichend im Stande sein.

Auch im Punkto Sicherheit kann das Glasfaserkabel gegenüber seinem alten Kollegen deutlich punkten. Denn die Glasfaser-Übertragung findet über optische Signale und nicht wie bisher über elektrische Impulse statt. Dadurch ist das Netz nicht mehr anfällig für elektronische und magnetische Störungen und generiert somit eine schnelle und qualitativ hochwertige Datenübertragung.

Gerade wenn es um das Thema Cloud-Telefonie geht, können alte ISDN-Leitungen nicht zuverlässig die entsprechende Qualität und Funktionalität garantieren. Denn je nach Größe der Telefonanlage werden hier enorme Datenpakete über weite Distanzen hinweg weitergeleitet. Nur eine hohe Übertragungsrate sorgt für einwandfreie Cloud-Telefonie.

Also warum hinkt Deutschland beim Ausbau des Glasfasernetzes so hinterher?

Der Hauptgrund liegt in den Kosten, die für einen bundesweiten Ausbau um die 80 bis 100 Milliarden Euro betragen würden. Die hohen Kosten ergeben sich allerdings weniger durch aufwendige technologische Verfahren zur Installierung oder durch die eigentliche Herstellung, sondern durch die notwendigen Tiefbauarbeiten vor Ort. Dadurch erfolgt ein Ausbau erst nach einer intensiven Planungsphase und meist nur in dynamischen Ballungszentren mit vielen potentiellen Nutzern.

Die größten Investitionen werden dabei von der Deutschen Telekom durchgeführt. Da ein einzelnes Unternehmen die enormen Kosten für einen großflächigen Ausbau aber nicht allein stemmen kann und auch andere die Zukunft des Internets in der Glasfaser sehen, beteiligen sich mehrere kleinere und lokale Anbieter an den Kosten. Beispiele sind die Unternehmen M-net, das hauptsächlich in Bayern die Fiber-Technologie vorantreibt, Netcologne oder „Deutsche Glasfaser“. Zudem kommt es häufig zu Synergien mit regionalen Stadtwerken und Energieversorgern. Diese bauen das Netz aus und vermieten es anschließend an verschiedene Anbieter.

Demgegenüber steht die geringe Nachfrage der deutschen Verbraucher nach einem Glasfaseranschluss. Das liegt zum einen an einem schlechten Marketing zur Glasfasertechnologie und deren Vorteile und zum anderen daran, dass die Verträge zwischen Verbraucher und Anbieter meist sehr langfristig ausgelegt sind. Es kommt auch nicht selten vor, dass Unternehmen vor dem Ausbau eine bestimmte Anzahl von abgeschlossenen Verträgen in der Region voraussetzen, bevor sie mit den Arbeiten beginnen. In Städten wie Münster, Erlangen und Bremerhaven ist ein Glasfasernetzausbau an dieser Grenze aufgrund zu geringer Nachfrage gescheitert.

Alternativen zum Glasfaseranschluss

Eine günstigere Alternative, bei der zumindest zum Teil auf die Glasfaserkabelverlegung verzichtet werden kann, ist das Vectoring. Denn hier muss lediglich die Übertragung bis zum Kabelverzweiger über Glasfasern verlaufen. Bei dieser Technik kann aus den vorhandenen Kupferleitungen zu den einzelnen Verbrauchern noch eine Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 100 Mbit/s herausgeholt werden.

Problemfall„Kupferkabel“

Um die Technik zu verdeutlich, kann man sich das Kupfernetz als Kopfhörer vorstellen, der durch äußere Geräusche oder Störungen seinem Nutzer nicht die gewünschte Klangqualität bieten kann. Genauso verhält es sich mit Kupferkabeln. Hier bestehen die Störungen aus elektromagnetischen Einflüssen, die sich negativ auf die Übertragungsqualität auswirken. Beim Vectoring werden alle Negativeinflüsse herausgefiltert und eliminiert, bevor sie sich auf die Qualität auswirken können - wie ein Kopfhörer der Umweltgeräusche unterdrückt. Verbraucher in Vectoring-Gebieten kommen zwar in den Genuss der optimierten Kupferleitungen und somit zu besseren Übertragungsraten, müssen aber damit rechnen, dass ein Glasfasernetzausbau in näherer Zukunft nicht zu erwarten ist.

Anderweitig kann auf Datenpakete des LTE-Funks zurückgegriffen werden, um hohe Übertragungsgeschwindigkeiten in ländlichen Regionen zu erzielen. Der Aufwand der Glasfaserverlegung ist hier nur auf die Strecke bis zum Sendemast nötig und senkt somit das Investitionsvolumen. Das Problem hierbei ist allerdings, dass bei Ablauf des Datenpaketes die Geschwindigkeit stark gedrosselt wird und der Genuss des schnellen Internets somit nicht dauerhaft konstant ist.

Es wird deutlich, dass Deutschland seine internationale Rolle als digitales Entwicklungsland ablegen muss: Denn nur ein flächendeckender Ausbau des Glasfasernetzes kann die Anforderungen der Verbraucher nach Schnelligkeit, Sicherheit und Stabilität im Internet auf lange Sicht erfüllen.